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12.12.2014 · Golem, Hamburg · mehr

Women on Fire IV: Une vraie jeune fille (1976)

Une vraie jeune fille / Catherine Breillat

“Unsere Welten, die des Mannes und die der Frau, können sich zwar durchdringen, doch verstehen oder zusammenkommen können sie nicht, und schon gar nicht einander besitzen.” Catherine Breillat

„Catherine Breillat erforscht in all ihren Filmen neben Familienverhältnissen, dem Erwachsenwerden und dem Erwachen der Sexualität auch, und so auch in diesem kleinen kraftvollen Roman, die Wahrnehmung der weiblichen Sexualität als einer auferlegten. Das Geschlecht, das nicht eins ist. Aber der männliche Blick auf die weibliche Sexualität erliegt der penetranten Replikation des Objektes, eine Sichtweise, die die Erzählerin assoziativ und offen reflektiert, gewissermaßen zurückspiegelt.“ Volker Frick

Die grande dame des französischen, des europäischen, des weltweiten Erzählkinos aus weiblicher Sicht: Catherine Breillat. Mit 19 Jahren schreibt sie ihren ersten Roman, kurz darauf: Le Soupirail, das Buch, das im Deutschen: Ein Mädchen heißt, und auf dem ihr Debut basiert. Sie hat außerdem die Bauten konstruiert und die Lieder komponiert. Eine Autorenfilmerin also. Und doch hat ihr Film, der den Regeln nach doch hätte einschlagen können, müssen – von seiner ersten kurzen Ausstrahlung 1976 bis 1999 gebraucht, um erneut das Licht der Leinwand zu erblicken.

Die Synopsis ist einfach – Ein junges Mädchen in der Pubertät fährt in den Sommerferien nach Hause zu ihren Eltern auf’s Land und entdeckt ihre Lust. Und ihre Lust ist überall: Kotzen ist lustvoll, ficken ist lustvoll, Würmer sind ein Highlight – um mal die Extreme der Blicke zu benennen, die Alice diesen Sommer wirft.

Was sich heute normal liest, hat von seiner Premiere 1976 bis 1999 gebraucht, um in den Verleih zu kommen. An der formalen Qualität des Films kann dies nicht liegen – im Gegenteil! UNE VRAIE JEUNE FILLE ist ein berührender Film, ein Einblick in die Blicke – erinnert an den Anfang von SHAME von Steve McQueen, viele Jahre später.